Ratgeber

Münzen richtig aufbewahren: was dem Metall schadet und was nicht

Die meisten Schäden entstehen nicht durch Unfälle, sondern durch Material — und langsam genug, dass es erst auffällt, wenn es zu spät ist.

Auf den Punkt: PVC ist in jeder Form ungeeignet: Weich-PVC gibt Weichmacher ab, Hart-PVC spaltet beim Altern Chlorwasserstoff ab. Geeignet sind PP, PE, PET sowie Polystyrol und Acrylglas für Kapseln. Karton muss alterungsbeständig sein — ISO 16245, Kartontyp A: pH 7,5 bis 10, alkalische Reserve ab 0,4 mol Säure je Kilogramm, Kappa-Zahl unter 5. Luftfeuchte 35 bis 55 Prozent, Silber besser unter 50. Feingold läuft nicht an, Silber schon. Milchflecken kann keine Verpackung verhindern.

Eine Münze, die dreißig Jahre in der falschen Hülle liegt, sieht danach anders aus als eine, die dieselbe Zeit in der richtigen verbracht hat. Der Unterschied kostet Geld.

Dieser Text fasst zusammen, was in der Konservierung als gesichert gilt, mit den Normwerten dazu. Wir sind Verpackungslieferant, kein Münzhändler — deshalb steht hier auch, was Verpackung nicht leisten kann.

Flache Kassette mit vier Medaillen in Kapseln, daneben der abgenommene Deckel
Kapsel im Etui: der Normalfall, wenn ein Stück lange liegen soll.

Der Klassiker: PVC

PVC ist der häufigste Grund für ruinierte Sammlungen, und zwar auf zwei verschiedenen Wegen.

Weich-PVC enthält Weichmacher, damit die Folie biegsam bleibt. Diese Weichmacher wandern mit der Zeit aus dem Material heraus und setzen sich auf allem ab, was in der Hülle liegt. Auf Kupfer und Kupferlegierungen entsteht daraus der grünliche, schmierige Belag, den Sammler „Green Slime“ nennen. Auf Feingold und Feinsilber sieht es anders aus: dort bleibt ein öliger Film oder eine matte Trübung — weniger auffällig, aber genauso ein Wertverlust.

Hart-PVC enthält keine Weichmacher und gilt deshalb oft als unbedenklich. Es ist es nicht: Beim Altern spaltet PVC Chlorwasserstoff ab, und der greift Metalloberflächen an. In der Archivnormung ist PVC deshalb in jeder Form ausgeschlossen. Dasselbe gilt für Cellulosenitrat und Celluloseacetat, die beim Zerfall Säuren freisetzen.

Welche Kunststoffe unbedenklich sind

Als unproblematisch gelten Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) und Polyester beziehungsweise PET — jeweils ohne Weichmacher. Für Münzkapseln kommen zusätzlich Polystyrol (PS) und Acrylglas (PMMA) infrage, weil sie bei Raumtemperatur chemisch stabil sind und klar genug bleiben, dass man das Stück beurteilen kann, ohne es anzugreifen.

Wichtig ist die Formulierung: chemisch stabil, nicht „inert“. Auch diese Kunststoffe altern. PE und PP sind unter UV-Licht photooxidationsanfällig — sie verspröden und werden rissig. Lichtgeschützte Lagerung gehört deshalb dazu.

Drei Schweberahmen aus Acrylglas mit Münzen auf Holzsockeln
Acrylglas ist chemisch stabil und klar genug, um ein Stück zu beurteilen, ohne es anzugreifen.

Karton und Papier — worauf es ankommt

„Säurefrei“ ist ein Werbewort, kein Nachweis. Der Begriff beschreibt nur einen pH-Wert von 7 oder darüber zum Zeitpunkt der Herstellung. Ein Papier kann heute säurefrei sein und in zehn Jahren sauer, weil ihm die Pufferung fehlt und es Schwefeldioxid aus der Luft aufnimmt. Der belastbare Begriff heißt alterungsbeständig, und dafür gibt es Normen.

Für Verpackungen von Archivgut ist ISO 16245 die maßgebliche Norm. Kartontyp A, die höhere der beiden Qualitätsstufen, verlangt:

  • pH-Wert zwischen 7,5 und 10
  • alkalische Reserve von mindestens 0,4 mol Säure je Kilogramm, was rund 2 % Calciumcarbonat entspricht
  • alle Lagen aus Hadern oder gebleichtem Zellstoff
  • Kappa-Zahl unter 5 — eine Kennzahl für den Anteil oxidierbarer Bestandteile und damit ein Indikator für den Restligningehalt
  • keine optischen Aufheller

Für unbedruckte Papiere gilt DIN EN ISO 9706. Achtung: Diese Norm ist ausdrücklich nicht auf Kartonagen anwendbar — dafür ist ISO 16245 zuständig. Wer mit ISO 9706 für eine Schachtel wirbt, hat die falsche Norm zitiert.

Ein drittes Prüfverfahren begegnet einem in Ausschreibungen: der Photographic Activity Test nach ISO 18916. Er prüft, ob ein Verpackungsmaterial mit empfindlichen Oberflächen reagiert. Ursprünglich für Fotografie entwickelt, wird er als Qualitätsnachweis auch darüber hinaus verlangt.

Weichmacherhaltige Klebstoffe haben in einer Archivverpackung nichts verloren — sie geben dasselbe ab wie Weich-PVC. In der Konservierung wird deshalb gesteckt oder gewickelt statt geklebt, wo es geht. Offenliegendes Metall ist der zweite blinde Fleck: Heftklammern, Nieten und Heftmechaniken rosten, und Rostspuren auf einem hellen Innenbezug bekommt man nicht mehr weg.

Luftfeuchte und Temperatur

Für Metallsammlungen gilt: so trocken wie praktikabel. In gemischten Sammlungen sind 35 bis 55 Prozent relative Luftfeuchte der übliche Arbeitsbereich, Silber lagert man besser unter 50 Prozent. Ab etwa 60 Prozent steigt das Korrosionsrisiko deutlich — das ist keine scharfe Schwelle, sondern ein Bereich, ab dem es merklich schneller geht.

Wichtiger als der genaue Wert ist die Stabilität. Ein Lager, das zwischen 30 und 70 Prozent schwankt, ist schlechter als eines, das konstant bei 55 liegt. Und: Der Keller ist fast immer die schlechteste Wahl im Haus.

Warum Silber anläuft und Gold nicht

Silber reagiert mit Schwefelverbindungen aus der Umgebungsluft, vor allem mit Schwefelwasserstoff. Dabei entsteht Silbersulfid — die dunkle Anlaufschicht. Bei Sterlingsilber kommt durch den Kupferanteil noch Kupfersulfid dazu; weil Kupfer reaktiver ist als Silber, läuft 925er schneller an als Feinsilber. Quellen für Schwefelverbindungen gibt es im Innenraum genug: vulkanisierter Gummi, proteinbasierte Klebstoffe, Wolle und Wollfilz, Seide, Leder sowie Verbrennungsabgase aus Heizung, Tabakrauch und Verkehr.

Feingold läuft nicht an. Wer Philharmoniker in Gold lagert, hat dieses Problem nicht — wer sie in Silber lagert, schon. Bei gemischten Beständen lohnt es sich, das zu trennen.

Kapseln mit aktivem Anlaufschutz arbeiten mit hochporösen Kupferpartikeln im Kunststoff, die korrosive Gase binden, bevor sie das Silber erreichen — unter anderem Schwefelwasserstoff, Carbonylsulfid, Stickoxide, Ozon, Ammoniak und Chlorverbindungen. Solche Systeme sind nach Herstellerangabe für Lagerzeiträume von bis zu fünfzehn Jahren ausgelegt; häufiges Öffnen verkürzt die Wirkungsdauer.

Mehrere geöffnete Etuis nebeneinander, darin eine Silber- und eine Goldmünze
Silber und Gold nebeneinander: Feingold läuft nicht an, Silber schon. Bei gemischten Beständen lohnt sich das Trennen.

Milchflecken — was Verpackung nicht kann

Milchflecken sind milchig-weiße Schleier auf Silbermünzen, überwiegend auf modernen Anlagemünzen mit 999er Feinsilber. Bei reinen Anlagemünzen hält sich der Schaden in Grenzen, weil der Materialwert bleibt — eine Unze Silber bleibt eine Unze Silber. Bei Sammlermünzen mit numismatischem Aufgeld kostet es dagegen richtig Geld. Verhindern lassen sie sich in beiden Fällen nicht sicher.

Die Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die verbreitetste Erklärung sind Rückstände von Reinigungsmitteln auf den Ronden, die im Glühofen einbrennen — also ein Produktionsthema, kein Lagerthema. Belegt ist: Milchflecken treten auch in ungeöffneten Originalrollen und in zertifizierten Grading-Slabs auf.

Wer Ihnen eine Verpackung verkauft, die Milchflecken ausschließt, verkauft Ihnen eine Behauptung. Entfernen lassen sie sich ebenfalls nicht dauerhaft — jede Reinigung, die etwas bewirkt, hinterlässt Spuren, die den Sammlerwert weiter drücken.

Und das Naheliegendste: nicht anfassen. Hautfett und Schweiß sind leicht sauer und salzhaltig. Ein Fingerabdruck auf einer Münze in Polierter Platte ätzt sich mit der Zeit in die Oberfläche ein; ist das passiert, geht er nicht mehr weg, ohne dass die Oberfläche Schaden nimmt. Ganz frische Abdrücke lassen sich fachmännisch noch entfernen — darauf verlassen sollte man sich nicht. Münzen werden am Rand gehalten, mit Baumwoll- oder Nitrilhandschuhen, und über einer weichen Unterlage, falls doch eine fällt.

Kurz zusammengefasst

TunLassen
PP, PE, PET, PS oder PMMA — weichmacherfreiPVC in jeder Form, Cellulosenitrat, Celluloseacetat
Karton nach ISO 16245 Typ A, gepuffert„säurefrei“ ohne Normangabe, Recyclingkarton ohne Nachweis
35–55 % relative Luftfeuchte, stabil gehaltenKeller, Dachboden, schwankendes Klima
Silber trocken und getrennt lagern, bei Bedarf mit AnlaufschutzGummi, Wolle, Filz, weichmacherhaltige Klebstoffe in der Nähe
Am Rand anfassen, Handschuhe verwendenReinigen, polieren, „auffrischen“
Kapsel passend zum Durchmesser wählenZu große Kapsel, in der das Stück wandert

Wenn Sie als Betrieb, Verein oder Gemeinde Münzen und Medaillen verpacken und dafür Material brauchen, das diese Anforderungen erfüllt: Wir liefern in ganz Österreich und kommen mit Mustern vorbei. Münzverpackung und Etuis · Münzkapseln · Medaillen, Orden und Ehrenzeichen

Sagen Sie uns, was verpackt wird

Durchmesser, ungefähre Stückzahl, Anlass — mehr brauchen wir für den ersten Vorschlag nicht. Wir kommen in ganz Österreich vorbei und bringen Muster mit.

Anfrage stellen +43 664 340 8550